Als Antwort auf : Re: Klassik-Midi-Partitur geschrieben von Hans Georg on September 13, 2000 at 16:11:55:
Hallo Hans-Georg,
einige interessante Aspekte geben mir einiges zu denken.....
> Midifiles versprachen moegliche Verbesserungen in vielerlei Hinsicht: [beim Mitlesen]
> - Analysefunktionen harmonisch/motivisch
Da hast du natürlich recht; musikalische Analyse wird mit MIDI-Files auf ein neues Niveau
gehoben, da ein Stück auch als musikalische Datenbank aufgefasst werden kann. Mit den
mittlerweile hochentwickelten Funktionen moderner Datenbanksysteme kann man dann z.B.
statistische Analysen machen, die von Hand kaum durchzuführen wären. Dem steht nur ein
Problem entgegen: in MIDI-Files wird die Abspielinformation codiert, nicht das Partiturbild.
Das ist aber für viele Formen der Analyse notwendig - z.B. kann innerhalb eines MIDI-Files
nicht zwischen Fis und Ges unterschieden werden. Im Partiturbild können bei Schubert o.ä. Welten
dazwischen liegen. MIDI-Files sind zudem auf 16 Kanäle beschränkt, daher es ist schwer, die
Informationen für mehr Instrumente darin zu codieren (mehr dazu s.u.), sodaß sie
unabhängig bleiben und eine eindeutige Zuordnung möglich ist (wenn auf dem Flöten-Kanal
eine einzelne Note gesendet wird ist nicht klar, ob es "in echt" die 1. oder 2. war).
Notensatzformate wie auf der folgenden Seite
http://www.s-line.de/homepages/gerd_castan/compmus/notationformats.html
eignen sich besser zur Analyse.
> Es war unmoeglich die gesamte Partitur auf dem Bildschirm darzustellen. Oft wurden
> leere Notenzeilen ueber den Monitor gescrollt, waehrend die gepielten Noten irgendwo
> hinter dem Bildrand unsichtbar vorbeizogen.
Klar, das is' natürlich nix. Mal angenommen, ich wollte mit Finale so etwas realisieren - das
wäre durchaus möglich, auch so, daß alle Notensysteme beim Abspielen dargestellt werden.
Finale kann auch in anderer Hinsicht als Werkzeug für Analyse verwendet werden, aber es ist
natürlich nicht dafür produziert. Beim Bearbeiten und Mitlesen von Noten am Bildschirm
zeigt sich halt die Überlegenheit des Papiers: auf Papier kann man mehr Informationen
besser darstellen, da die Auflösung höher ist und ein größeres Papierformat wesentlich
billiger ist als ein größeres Bildschirmformat.
> Aber soviel ich weiss gibt es sowas noch nicht.
Es könnte sein, daß die "Masterpiece"-Serie von Schott so etwas bietet (habe ich im Netz
nicht gefunden). Das sind CD-Roms, auf denen die "Meisterwerke" einzelner Komponisten in
unterschiedlicher Form dargestellt sind. Nur eine Vermutung...
> Ausserdem ist es ja wohl die Spieleindustrie, die bestimmt, welche Standards fuer die Freunde der
> klassischen Musik angeboten werden, bzw. nebenher abfallen.
Eine wichtige Beobachtung, die bisher noch nicht so gut auf den Punkt gebracht wurde!
> Mit Softwaresynthesizern kann man sich dann ja auch vom Midi-Standard loesen, bzw
> von dessen Beschränkungen.
> (NB: 32 - Kanal Midifiles gibt es ja, auch wenn es im Standard nicht vorgesehen ist. )
Das verstehe ich nicht ganz...im MIDI-Standard sind 16 Kanäle definiert und es gibt
keine Möglichkeit, eine bestimmte Port-Information in einem MIDI-File abzuspeichern.
Ich sehe keine Möglichkeit, 32 Kanäle zu verwenden und ein File herzustellen, das der
MIDI-File-Spezifikation entspricht. Oder übersehe ich etwas?
Wie kann man sich mit Softsynths vom MIDI-Standard lösen? Mit welchem Protokoll
kommuniziert dann z.B. der Sequencer mit dem Synth, wenn nicht mit MIDI?
Man kann sich dann höchstens von der normierten Übertragungsgeschwindigkeit
lösen, aber doch nicht vom Protokoll? Da bin ich an Antworten interessiert.
Viele Grüsse,
Harald